Kerb in Naurod 2025

Gut 50 Besucherinnen und Besucher fanden um 14 Uhr bei strahlendem Sonnenschein den Weg in die Nauroder Kirche, die seit ihrer Einweihung vor genau 295 Jahren den Mittelpunkt des Dorfs Naurod markiert.

Chordamen beim Singen

Die Orgel spielte Herr Dr. Hildebrand und eröffnete den Gottesdienst mit einem passenden Lied, „Oh happy day“, was für ein glücklicher Tag! Und das war er auch: Gut gelaunt begrüßte Pfarrer Ebling ‚seine‘ Schäfchen zu ungewohnter Stunde und merkte an, dass es nicht nur der 10. Sonntag nach Trinitatis sei, sondern dass dieser Sonntag auch den Beinamen „Israelsonntag“ trage (den es seit dem 16. Jahrhundert als Gedenktag gibt, der „an die Zerstörung Jerusalems“ erinnert).

Der Kirchenchor war zahlreich erschienen – und sang gleich nach der Begrüßung durch den Pfarrer ein Lied der Hoffnung: „Darum freu ich mich an deiner Güte“.

In der Predigt nahm Pfr. Ebling das Thema Israelsonntag nochmals auf; er verwies auf die Bedeutung der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, dem EINZIGEN Heiligtum der Juden, dem Sitz Gottes. Das Volk Israel war lt. der Bibel von Gott als sein Volk auserwählt. Das Gebiet, in dem die Israeliten lebten, entspricht in etwa dem heutigen Gebiet des Staates Israel: Der Ort ist gleich, der Staat Israel ist nicht identisch mit dem auserwählten Volk Israel. Dessen Geschichte berichtet das Alte Testament, das, so Pfr. Ebling, nicht vom Neuen abgeschafft, sondern ‚nur‘ das zeitlich ältere sei. Einleuchtend sein Vergleich, die Nauroder Kirche bspw. sei ja auch nicht überholt, nur weil sie fast 300 Jahre alt ist… Und dann schlug er den Bogen zum Neuen Testament, das die Ausweitung von Gottes Bund über die Grenzen des Judentums hinaus auf alle Menschen darstellt. Diese Erweiterung ist stets aktuell, denn auch die heutigen Kirchengemeinden müssen über sich hinausgehen, bedürfen des Zusammenwachsens mit Nachbargemeinden, der Gesamtlage der Kirchen geschuldet. Aber es ist ja nichts Negatives, wenn Menschen enger zusammenrücken und zusammenhalten.

Der weiteren Predigt lag eine Stelle aus Matthäus 5,17ff, zugrunde. Jesus sagt: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ In seiner Auslegung betont Ebling die Kontinuität: Das göttliche Gesetz der Juden (!) gilt auch für diejenigen, die sich zu Christus bekennen. Doch ist von Gott nicht gewollt, dass es sklavisch befolgt wird, sondern vernünftig: Die Kritik der Pharisäer, dass Jesus und seine Jünger durch das Ernten von Ähren das Sabbath-Gesetz brechen, das jede Form von Arbeit verbietet, erkennt Jesus nicht an, denn es geht nicht um Ernte-Arbeit, sondern das Stillen des Hungers. Der Vorwurf der Pharisäer zeigt ein sklavisches Hängen an Buchstaben des Gesetzes, um Lücken zu finden und sich das Beste herauszuklauben. Und genau dagegen wendet sich Jesus, Gesetz, ja, aber nicht so! Es ist immer so auszulegen, dass es wirklich sinnvoll und nützlich ist: Gott meint es gut mit seinen Menschen, er hat ihnen einen eigenen Geist und Urteilsvermögen gegeben. Der Sabbath wie der Sonntag sind dafür da, sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen und sich an diesem Tag auf das Wesentliche, auf Gott, zu konzentrieren. In Pfarrer Eblings Worten, begleitet von leichtem Lächeln, zusammengefasst: „Wir müssen nicht alle 613 Gesetze aus dem Alten Testament befolgen, und ja, ich habe es nachgelesen, es sind 613!, doch wir müssen ihren Kern befolgen.“ Jesus habe dies in zwei kurzen Sätzen zusammengefasst: LIEBE GOTT und LIEBE DEINEN NÄCHSTEN. Wer der Nächste für eine jede oder einen jeder sei, vielleicht der ältere Buder der Christen, das Judentum, vielleicht der jüngere Bruder, der Islam, oder die Kirchengemeinden im Nachbarschaftsraum, könne man selbst bestimmen, doch das Liebesgebot, der Kern des Glaubens, sei zu erfüllen.

Damit entließ Pfr. Ebling die Gottesdienstbesucher in den sonnigen Nachmittag, die fast alle in einem langen Zug zum Gemeindehaus aufbrachen, um mit den Nächsten das Gemeindefest zu feiern. Der Kuchen mundete, und die Konfirmanden schenkten fleißig Kaffee aus, was ihnen und vor allem den Seniorinnen, die so aufmerksam bedient wurden, sichtlich Vergnügen bereitete. In unruhigen Zeiten war das kleine Fest auf dem sonnigen, von Bäumen umgebenen Vorplatz des Gemeindehauses wohltuend wie der Besuch einer kleinen Oase von freundlichem und friedlichem Miteinander.

MM / MR

Fotos: KM / AS