Am vergangenen Sonntag, dem 7. Juni, kamen die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden und die Gemeinde zu einem besonderen Einführungsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Naurod zusammen. Am ersten Sonntag nach Trinitatis erlebten alle Beteiligten einen lebendigen und feierlichen Gottesdienst, der ganz im Zeichen des Aufbruchs und der Gemeinschaft stand. In diesem Jahr machen sich insgesamt 29 Jugendliche aus Naurod, Medenbach, Auringen, Breckenheim und Wildsachsen gemeinsam auf den Weg zur Konfirmation.
Pfarrer Thomas Tschöpel leitete den Gottesdienst, während Organistin Larissa Wellinger die Feier musikalisch begleitete. Da es für die Jugendlichen der Auftakt zu ihrer Konfirmandenzeit war, führte Pfarrer Tschöpel Schritt für Schritt mit vielen anschaulichen Erklärungen durch die Liturgie. So wurde der Gottesdienst selbst fast schon zu einer ersten, praktischen „Konfistunde“ für die Gruppe und zu einem intensiven Miterleben für die gesamte Gemeinde.
Ein bewegender Moment war es, als sich alle 29 Jugendlichen gemeinsam im Halbkreis um den Altar versammelten. Pfarrer Frederik Ebling verlas dazu die einzelnen Namen der Konfirmandinnen und Konfirmanden. Als einige beim Überschreiten des Altarpodestes noch etwas zögerlich und zurückhaltend waren, nahm Pfarrer Tschöpel ihnen mit den nahbaren Worten „Keine Scheu vor dem Altar, es ist nur ein Tisch“, ganz unkompliziert die Berührungsängste. Bei der Abfrage, wer aus den jeweiligen Orten kommt, bat Pfarrer Ebling die Jugendlichen um ein kurzes Handzeichen. Das gemeinsame Zusammenstehen am Altar über die Ortsgrenzen hinweg schenkte allen bereits einen spürbaren Hauch der zukünftigen Segensgemeinde. Nachdem die Gruppe dort den Segen empfangen hatte, löste sich der Kreis wieder auf und die Jugendlichen kehrten auf ihre Plätze zurück.
Die Liedauswahl spiegelte ebenfalls diese positive Aufbruchsstimmung wider. Nach dem feierlichen Beginn mit „Lobet den Herrn alle, die ihn ehren“ (EG 447) folgte das kraftvolle „Lobe den Herrn, meine Seele“ (EG + 87). Pfarrer Tschöpel verriet dazu charmant, dass dieses Stück ein echtes Lieblingslied in Naurod sei und hier besonders oft gesungen werde. Auch das bekannte Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ (EG 621) brachte die Dynamik der kommenden Konfirmandenzeit auf den Punkt: Ein kleiner Anfang kann große Kreise ziehen – im eigenen Leben wie auch in unseren Gemeinden.
Zu Beginn seiner Predigt unterstrich Pfarrer Tschöpel den Stellenwert dieses Liturgieelements als protestantische Hauptaufgabe, was sich in Naurod auch optisch in der Kanzelhöhe über dem Altar zeige. Im Zentrum stand der Text aus der Apostelgeschichte (Apg 4, 32–37). Das biblische Buch erzählt von der Zeit nach Pfingsten: Die Urgemeinde war damals noch ganz klein, Jesus nicht mehr sichtbar da, und die Menschen lebten in der Naherwartung seiner Wiederkehr. Pfarrer Tschöpel beleuchtete intensiv diesen „urchristlichen Liebeskommunismus“ – eine radikale Gütergemeinschaft, in der aus Liebe zum Nächsten Besitz geteilt wurde, sodass niemand Mangel litt. Dieser historische Besitzausgleich, so schlug die Predigt die Brücke in die Gegenwart, erinnert in seiner Grundidee an unsere heutige Kirchensteuer. Der Gedanke des einfachen Lebens und Teilens zieht sich durch die Jahrhunderte, von den Franziskanern bis zu Martin Luther, der einst schockiert vom Prunk in Rom den Reichtum der Kirche kritisierte.
Dass diese christliche Verantwortung im Hier und Jetzt lebendig sein muss, verdeutlichte Pfarrer Tschöpel mit einem konkreten regionalen Bezug: Er verwies auf die wertvolle Arbeit der EVIM (Evangelischer Verein für Innere Mission) und deren Jugendhilfe-Angebot „upstairs“. Diese Wiesbadener Anlaufstelle hilft jungen Menschen in Not direkt vor Ort – beispielsweise mit dem bekannten Bus in den Reisinger Anlagen. Die Botschaft an die Gemeinde und die Konfirmanden war unmissverständlich: Wir können Menschen nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Die Kirche trägt ein anderes Menschenbild in sich als eine leistungsorientierte Gesellschaft – bei uns soll sich eben nicht der Stärkste durchsetzen, sondern den Schwachen wird geholfen.
Mit dem Lied „Herr, wir bitten komm und segne uns“ (EG 590) wurden die Jugendlichen am Ende unter Gottes Segen in diesen neuen Lebensabschnitt entlassen. Wie lebendig und verbindend die Atmosphäre war, zeigte sich auch beim musikalischen Ausklang an der Orgel: Als Nachspiel ließ Larissa Wellinger die bekannte Melodie von „Möge die Straße uns zusammenführen“ erklingen. Diese wirkte so ansteckend, dass einige spontan mitsangen – ein rundum gelungener Auftakt für die Konfirmandenzeit.
Wir heißen die Jugendlichen in unseren Gemeinden herzlich willkommen und wünschen ihnen eine gesegnete, erfahrungsreiche und frohe Zeit!
Thomas Fuchs
Foto: Ingo Damm
