Das Konfirmationswochenende begann bereits am Samstagabend mit einem Abendmahlgottesdienst, bei dem die Frage nach Vergebung und die Gemeinschaft im Mittelpunkt standen. Am Sonntagmorgen folgte dann in einem feierlichen und gut besetzten Festgottesdienst die Konfirmation der 14 Jugendlichen. Nachdem es am frühen Morgen noch einen kurzen, stärkeren Regenschauer gegeben hatte, beruhigte sich das Wetter rechtzeitig. So konnten die fünf Konfirmandinnen und neun Konfirmanden trockenen Fußes in die Evangelische Kirche Naurod einziehen, während feierliche Orgelklänge, gespielt von Markus Kaiser, das Gotteshaus erfüllten. Begleitet von ihren Familien, Paten und der gesamten Gemeinde erlebten sie einen Gottesdienst des Aufbruchs und des persönlichen Ja-Wortes.
Die Pfarrer Frederik Ebling und Thomas Tschöpel begrüßten die Festgesellschaft herzlich, bevor alle Anwesenden das traditionelle Lied „Morgenlicht leuchtet“ (EG 455) anstimmten, welches die dichte, erwartungsvolle Atmosphäre im Raum spürbar machte. Ein besonderer Akzent der Eröffnung lag auf dem Psalm 139, der im lebendigen Wechsel zwischen einer Einzelstimme und den Antworten der Gemeinde gesprochen wurde. Der zentrale Kehrvers dieses Psalms sollte sich wie ein roter Faden durch den gesamten Gottesdienst ziehen: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“
Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst durch den Evangelischen Kirchenchor Naurod unter der Leitung von Fabian Kobler, der die Gemeinde mit einem eindrücklichen „Gloria, Ehre sei Gott“ berührte. Nach der Lesung aus dem Epheserbrief (Epheser 3, 14–21) und dem gemeinsam gesungenen Lied „Du bist heilig“ (EG+ 52), richteten die Pfarrer das Wort in einer persönlichen Predigt an die Jugendlichen. Ausgehend von dem Bibelzitat „Deshalb beuge ich meine Knie“ wurde verdeutlicht, dass das Knien vor dem Schöpfer der ganzen Welt Ausdruck einer tiefen Beziehung in beide Richtungen ist – fest eingewurzelt in der Liebe und gestärkt im Geist. Genau dafür stehe das Wort Konfirmation, das sich vom lateinischen confirmare die Bedeutung „festmachen“ und „stärken“ leiht.
Die Predigt warf auch einen dankbaren Blick zurück auf das gemeinsame Jahr: an das ereignisreiche Konfi-Camp 2025 in Westernohe im Westerwald mit einem Geländespiel, an den wöchentlichen Unterricht in der Medenbacher Pfarrscheune, der neben vielen großen Fragen manchmal auch von verständlicher Trägheit nach langen Schultagen geprägt war, und schließlich an die Abschlussfahrt in die Jugendherberge Ronneburg, die ein intensives Arbeiten und neues Kennenlernen ermöglichte.
Auch der selbst gestaltete Vorstellungsgottesdienst zum Thema „Jesu Passion und Leid“ fand Erwähnung. Die Predigt betonte, dass die Welt zwar voller Leid sei, Gott dies aber keineswegs egal ist. Mit Gott an der Seite könne man Leid ertragen und die Kraft finden, selbst aktiv zu werden, um Leid zu lindern. Mit der Konfirmation werden die Jugendlichen ein großes Stück erwachsener und übernehmen mehr Eigenverantwortung. Sie tun dies jedoch nicht allein, denn Gottes Liebe umgibt sie spürbar auf all ihren eigenen Lebenswegen.
Wenn die Konfirmandinnen und Konfirmanden auf die Fragen nach ihrem Glauben und ihrem Platz in der Welt mutig mit „Ja, mit Gottes Hilfe“ antworten, ist das ein zutiefst bewegender Moment, der über ein bloßes Ritual hinausgeht. Es ist der Augenblick, in dem aus Kindern eigenständige Persönlichkeiten werden, die ihren Weg mit Gott bewusst selbst gestalten wollen.
Doch dieser Weg ist keine Einbahnstraße: Gleich im Anschluss richtete sich die Frage an die gesamte Gemeinde: „Seid ihr bereit, diese Jugendlichen in eure Gemeinschaft aufzunehmen, sie im Glauben zu begleiten, für sie zu beten und ihnen im Leben der Gemeinde mit Offenheit und Liebe zu begegnen?“. Und die Gemeinde antwortete mit dem gleichen „Ja, mit Gottes Hilfe“ und sicherte damit den Konfirmandinnen und Konfirmanden zu, ihnen einen sicheren Hafen zu bieten, sie mit offenen Armen und Herzen zu begleiten und ihnen den Freiraum zu schenken, den sie zum Wachsen brauchen. So wird die Konfirmation zu einem Fest des gegenseitigen Vertrauens und zu einem lebendigen Versprechen, dass diese Reise des Glaubens von nun an gemeinsam als große Gemeinschaft angetreten wird.
Unter feierlichem Glockengeläut fand die Einsegnung der Jugendlichen statt. Als bleibende Erinnerung an diesen Tag erhielten sie neben der Urkunde und einer Kreuzkette individuelle, selbst gestaltete Mosaikkreuze. Diese besonderen Einzelstücke hatten sie zuvor auf ihrer Abschlussfahrt zur Ronneburg mit viel Kreativität und ganz persönlichen Farbkombinationen angefertigt. Der Kirchenchor gratulierte musikalisch mit dem Werk „Lobsinget dem Schöpfer“.
Die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Ulrike Boppré, fand in ihrer Ansprache herzliche Worte der Anerkennung. Endlich sei der ersehnte Tag da. Sie blickte auf die vielen Facetten des Konfi-Jahres zurück, das neben dem Unterricht auch Besuche im Altenheim und bei einem Bestatter bereithielt. Unter Bezugnahme auf Martin Buber betonte sie: „Alle Menschen haben Zugang zu Gott, aber jeder einen anderen.“ Großartig sei gewesen, wie sich die Jugendlichen ins Gemeindeleben eingebracht haben – ob beim Gemeindefest, der Veranstaltung zum Reformationstag oder beim Lesen der Fürbitten. Mit der Konfirmation sind sie nun als erwachsene Mitglieder in der Gemeinde aufgenommen. Frau Boppré wies auf eine historische Wegmarke hin: Während es heute noch die Kirchengemeinde Naurod ist, wird die Gemeinschaft ab Januar Teil der größeren, neuen Segensgemeinde Wiesbaden sein. Sie gab den Jugendlichen den dringenden Wunsch mit auf den Weg, den Kontakt zur Gemeinde nicht abreißen zu lassen, und segnete sie für ihre Zukunft.
Nach dem Lied „Ich möcht’, dass einer mit mir geht“ (EG 209), den gemeinsamen Fürbitten und dem Vaterunser stimmte die Gemeinde das Friedenslied „Verleih uns Frieden“ (EG+ 142) an. Im Anschluss empfing die gesamte Festgemeinde den feierlichen Segen, bevor die frisch Konfirmierten feierlich auszogen.
Thomas Fuchs

