Wenn Naurod Kerb feiert, scheint die Sonne. Das klappte auch in diesem Jahr.
Pfarrer Frederik Ebling begrüßte um 14 Uhr die Besucherinnen und Besucher des Festgottesdienstes. Der Kirchenchor sang das Eingangslied „Halleluja, lobet Gott“.
Pfr. Ebeling predigte über das Thema „Wandel“. Und Wandel in jeder Hinsicht erlebten die ca. 10 Generationen (gerechnet, dass eine Generation 30 Jahre sind) seit der Einweihung der Nauroder Kirche im Jahre 1730 – die in 4 Jahren 300 Jahre alt wird. Auch wenn sicher niemand mehr etwas über seine Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur Großeltern weiß, kann zumindest davon ausgegangen werden, dass alle bis zu den heutigen Gläubigen in Jesus Christus und in der Hoffnung verbunden waren, dass mit ihm etwas ganz Neues angefangen hat. Dazu passt die Erzählung aus dem Predigttext, Markus 7, 31-37, Gott kann Augen und Ohren öffnen – für sein Wort und den Blick in die Welt: Blinde sehen, Taube hören, Stumme sprechen. Mit diesen Wandlungen ist es der Augenblick, der rettet, der große Wandel ist dann da, wenn das Reich Gottes in der Welt errichtet ist. Dann verschwinden, so die Prophezeiung, Leid und Tyrannei.
Wandel gehört zum Leben. 1730, wie heute. Damals wurden noch Dreispitz-Hüte getragen, die der predigende Pfarrer (er trägt gerne Hut!) jeder Basecap heute vorziehen würde… Wandel passiert, unaufhaltsam: ‚Erstickend und verzehrend, das Alte soll vergehen, erquickend und vermehrend, das Neue soll bestehen‘. So steht es für alle lesbar unterhalb der Kanzel in der Nauroder Kirche. Das wussten die Menschen damals und nahmen es ernst. Heute macht sich Pessimismus breit. Es wird über „die guten, alten Zeiten“ gesprochen – doch das war auch schon immer so.
Der Wandel ist da, auch und gerade die Kirche betreffend, angefangen beim Gebäude. Wie soll denn die Nauroder Kirche aussehen, welchen Zustand behalten? Den ursprünglichen? Den man aus Kindheitstagen kennt? Pfr. Ebling stellt die provokante Frage, ob dies überhaupt noch die Nauroder Kirche sei, wenn nach und nach alles renoviert wird. So wie vor einigen Jahren die Kirche von außen renoviert, das Dach neu gedeckt wurde, und nun die Schindeln aus dem Jahr 1730 nicht mehr existieren. Er konstatiert, es MUSS den Wandel geben, weil alles vergeht, nicht nur unsere Körper, Gebäude, Mode, Geschmäcker.
Einen großen Wandel mit Jesus und den Wundern erlebten die Damaligen, heute ist Wandel überwiegend kleinteilig. Doch auch die zehn Kirchengemeinden in Wiesbaden-Nordost erfahren einen großen Wandel hin zur einer großen Segensgemeinde. Die Nauroder Kirche bleibt bei allem Wandel bestehen, auch wenn sich das Leben in ihr ändert. Gott begleitet diesen Wandel und gibt in ihm dennoch Sicherheit.
Eine wuchtige Predigt, die Zuversicht verbreitet, hinein in die heutige Welt des Wandels.
Den Gottesdienst gestalteten musikalisch Svenja Schuto an der Orgel und der Kirchenchor, was die Anwesenden mit Applaus honorierten.
Im Anschluss an den Festgottesdienst zog die Festgemeinde weiter ans Gemeindehaus. Dort wartete Kaffee und Kuchen auf die Besuchenden. Fleißige Gemeindemitglieder hatten eine wunderbare Vielfalt an verschiedenen Torten und Kuchen hergestellt, so dass jeder etwas für nach seinem Geschmack finden konnte. Gemütlich saßen die Menschen zusammen, aßen und tranken und sprachen über „Gott und die Welt“.
Später am Nachmittag sind folgten etliche Besuchende der Einladung von Pfarrer Thomas Tschöpel und versammelten sich wieder in der Nauroder Kirche. Dort erlebten sie ein lebendiges Konzert der Frankfurter Band Habakuk. Die Band sang und spielte ihre eigenen Songs aus dem Genre geistliche Popmusik und luden zum Mitsingen ein. Für Habakuk war es auch ein besonderer Abend: Zum ersten Mal stand die Band ohne ihren langjährigen musikalischen Leiter Eugen Eckert auf der Bühne. Die musikalische Leitung hatten Laura Doernbach und Christoph Maurer übernommen.
Begonnen wurde mit „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ und es folgten weitere bekannte und neue Lieder aus dem vielfältigen Repertoire der Band, darunter „Bewahre uns, Gott“, „Weite Räume meinen Füßen“ und „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“. Mal fröhlich und schwungvoll, mal ruhiger und nachdenklicher, nahm die Musik die Zuhörenden mit durch ganz unterschiedliche Stimmungen. Viele der Lieder waren aus Gottesdiensten oder von evangelischen Kirchentagen bekannt und wurden gerne mitgesungen. Zwischen den Liedern gab es außerdem mehrere Lesungen aus dem Buch, das anlässlich des 50-jährigen Bandjubiläums entstanden ist.
Mit „Ihr sollt ein Segen sein“ gab es schließlich auch ein Lied, das einen besonderen Bezug zu Naurod hatte. Naurod wird gemeinsam mit neun weiteren Kirchengemeinden zur neuen Segensgemeinde fusionieren – da passte dieses Lied besonders gut.
So wurde es ein abwechslungsreicher Konzertabend, bei dem mitgesungen, zugehört und auch so mancher Gedanke mitgenommen werden konnte.
Martin Maurer und Annkatrin Schultze



























