Am 21. Juni feierten die ev. Gemeinden Auringen, Medenbach und Naurod und St. Elisabeth von der kath. Schwestergemeinde St. Birgid ihren traditionellen ökumenischen Gottesdienst am Auringer Weiher. Wieder war große Hitze angesagt, auch örtliche Gewitter, was sicher viele der regelmäßig Teilnehmenden vom Spaziergang zur Lichtung abgehalten hat, vor allem ältere Menschen. Immerhin fanden sich knapp 60 Personen zum Gottesdienst ein, unter ihnen eine Gruppe von Konfirmandinnen und Konfirmanden, die erst am Vortag vom Konfi-Camp zurückgekehrt, tatkräftig beim Auf- und Abbau, Verladen der Bänke, Verteilen der Liedblätter und der Vorbereitung der Kuchentheke mitgeholfen haben. Darüber hinaus ließen es sich die Musizierenden vom Blasorchester des TSV Auringen nicht nehmen, mit einem stattlichen Ensemble den Gottesdienst musikalisch zu umrahmen und den Gesang zu begleiten.
Apropos Gesang: Im Zentrum des Gottesdienstes stand der „Sonnengesang“, in dessen acht Strophen Franziskus von Assisi die Natur Gott loben lässt, durch Bruder Sonne, Schwester Mond und die Sterne, Wind, Luft und Wolken, Schwester Wasser, die erfrischt, Bruder Feuer, das das Dunkel erhellt, und die Mutter Erde, die nährt und durch die Schönheit der Blumen erfreut. Eine Strophe ist den Menschen gewidmet, „die verzeihen, und die ertragen Schwachheit, Leid und Qual“: den Menschen, die nach dem Vorbild von Jesus Christus leben, damit Gott loben und von ihm „gekrönt“ werden. Und das Ende bildet „Bruder Tod“, dem zwar „niemand lebend entrinnen kann“, aber kein endgültiger ist.
Das Lied bildete wirklich das Zentrum, denn es wurde mitten in der Predigt gesungen, in der Pastoralreferent Stephan Lechtenböhmer zunächst vom Leben und Wirken des Hlg. Franziskus sprach, und Pfr. Thomas Tschöpel nach dem Singen die Liedverse kommentierte und auslegte. Die Predigt vermittelte eindrücklich die Glaubensüberzeugung des Ordensgründers, der als junger Mann nach einem Jahr in Kriegsgefangenschaft körperlich versehrt sein Leben radikal änderte, sich vom Reichtum seiner Herkunftsfamilie und damit von dieser selbst in ein Pilger- und Predigerleben verabschiedete. Völlig unbelastet von materiellen Dingen und daraus erwachsenden zwischenmenschlichen Konflikten, konnte er sich auf das Wesentliche der christlichen Botschaft konzentrieren – Nächstenliebe und Barmherzigkeit statt Missgunst und Gewalt –, und sein Leben ohne festen Wohnsitz ließ ihn eine ungewöhnliche Nähe zur Natur und allen ihren Geschöpfen finden. Sein Sonnengesang zeugt davon, wie sehr ihm die Schönheit der Gestirne, die Vielfalt von Wind und Wetter (dem Geist ähnlich, der weht wo er will), die Bedeutung des erfrischenden Wassers für den Ermüdeten und des hellen Feuers in der Nacht für den im Freien Schlafenden bewusst waren, wie dankbar er für die nährenden Früchte der Erde war, wie wichtig ein Leben der Menschen wie Jesus Christus und wie vertraut der Tod. Alles ist ihm verwandt, wird als Bruder, Schwerster und Mutter angesprochen. Alles lobt den Herrn, und auch wir werden aufgefordert, ihn in Dankbarkeit zu preisen und ihm in Demut zu dienen. In der freien Natur, am Wasser, unter (zunächst) blauem Himmel und strahlender Sonne und Schattengrün, war Franziskus den Gottesdienstbesuchern näher als im Kirchengebäude; dieser Gottesdienst ist immer wieder etwas Besonderes!
Zum unermüdlichen Unterwegssein des Franz von Assisi, aber auch zur aktuell bevorstehenden Ferien- und Reisezeit passte der Reisesegen sehr gut, den die beiden Geistlichen allen, die ihn sich gerne auferlegen ließen, erteilten: weitere stille, innige Momente, die die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher erleben durften.
Die Kollekte war für das Projekt ‚Upstairs‘, einem Jugendhilfe-Projekt des Evangelischen Vereins für Innere Mission, EVIM, bestimmt, dass von einem dort Mitarbeitenden vorgestellt wurde: Seit 25 Jahren ist „Upstairs“ eine Anlaufstelle in Wiesbaden für wohnungs- und obdachlose Jugendliche und junge Erwachsene, die Unterstützung brauchen – ob für eine Nacht oder einen langen Weg.
Die harmonischen Klänge der Bläser, der Weiher übersät mit gelben Teichrosen, die tanzenden Sonnenflecken unter den großen Bäumen (in deren Schatten in diesem Jahr erstaunlich viele Bänke Platz fanden, das Laubdach hat sich wohl verändert) – welch ein Ohren- und Augenschmaus! Dann noch Kaffee und der köstliche Streuselkuchen nach dem Gottesdienst… Selbst die am Horizont aufziehenden Gewitterwolken konnten die zufrieden und frohgelaunt wirkenden Christenmenschen nicht davon abbringen, den Nachmittag in geselligem Miteinander an diesem schönen, wohltuenden Ort ausklingen zu lassen. Als das Donnergrollen näherkam, hat das gemeinsame Aufräumen nach dem Motto „Viele Hände – schnelles Ende!“ dafür gesorgt, dass alle trocken zuhause ankommen konnten.
Dr. Margit Ruffing
Fotos: Sophia Vosshage


