Mut zu neuen Wegen im Gottesdienst –
Musikalischer Brückenschlag zwischen Deutschrap, Phil Collins, John Lennon und Kirchenliedern
Die evangelischen AMeN-Kirchengemeinden aus Auringen, Medenbach und Naurod hatten Anfang März zu einem besonderen Gottesdienst in die Pfarrscheune Medenbach eingeladen. Unter dem Motto „Mitgefühl – Mit Gefühl“ wurde dort ein neues Gottesdienstformat vorgestellt. Das Vorbereitungsteam um Pfarrer Tschöpel kombinierte ganz bewusst klassische liturgische Bestandteile mit ungewohnt modernen Elementen. Inhaltlich drehte sich der Gottesdienst um die Frage, welche Bedeutung Mitgefühl im heutigen Alltag besitzt.
Einen besonderen Schwerpunkt bildete die musikalische Gestaltung des späten Nachmittags. Überraschend war die Leinwandpräsentation eines Musikvideos, das in Bild, Ton und mit Untertiteln ein gutes Beispiel dafür aufzeigte, wie wir Menschen in Konfrontation mit Armut häufig umgehen: mit Ausgrenzung oder – fast schlimmer – mit Gleichgültigkeit.
Traditionelle Kirchenlieder wechselten sich mit Pop- und Rap-Musik ab, deren Interpretation dazu einlud, sich intensiv mit dem Thema Mitgefühl auseinanderzusetzen. Die Liedtexte unterstützten die Botschaft des Gottesdienstes auf eindrucksvolle Weise und sprachen sowohl jüngere als auch ältere Besucherinnen und Besucher an.
Starke Impulse setzte Pfarrer Tschöpel mit gezielten Fragen, die er in einem Interview seiner Pfarrkollegin Mirjam Müller stellte. Ursprünglich gelernte Krankenpflegerin, ist sie Pfarrerin im Evangelischen Dekanat Wiesbaden und konnte sehr lebhaft aus ihrem Alltag als langjährige Klinikseelsorgerin im St. Josefs-Hospital in Wiesbaden berichten. Man hätte ihren Erzählungen noch viel länger zuhören wollen. Gleichzeitig entstand eine einladende Atmosphäre, die Raum für eigene Gedanken und Gefühle bot.
Vertieft wurde die Thematik in einer kurzen Gruppenarbeit, die den Austausch über Zitate berühmter Persönlichkeiten ermöglichte.
Anschließend wurden die Teilnehmer zu kreativen Akteuren. Unter Anleitung konnte jeder mit Drähten, Lack und Stempel hübsche Grußkarten basteln. Diese waren für Menschen im eigenen persönlichen Umfeld gedacht, die Zuspruch, Trost und Mitgefühl benötigen z.B. für den einsamen Nachbarn, die kranke Freundin, trauernde Bekannte. Fast jeder hatte gleich Ideen, wem er oder sie seine Karten widmen wollte.
Ziel des Gottesdienstes war es nicht, fertige Lösungen zu präsentieren, sondern Denkanstöße für das persönliche Leben mitzugeben. Jedem Zuhörer ist bewusst geworden, wie wichtig Aufmerksamkeit und Empathie im Umgang miteinander sind.
Die Veranstalter freuten sich über die positive Resonanz und das gezeigte Interesse an diesem neuen Gottesdienstangebot. Auch für die evangelische Kirche zeigte sich, dass „Zukunft gestalten“ heißt, mutig neue Wege zu gehen.
Petra Opitz




