Es war wie immer: Plötzlich fällt einem ein, dass in wenigen Wochen Weihnachten ist, und es im Nachmittagsgottesdienst am Heiligen Abend doch ein Krippenspiel geben soll! Dass für etwas Kompliziertes mit vielen Utensilien, besonderer Technik, langen Textpassagen nicht in Frage kommt, war Pfr. Tschöpel und den Kirchenvorsteherinnen, die sich über eine Realisierung des Krippenspiels in der kurzen verbliebenen Vorweihnachtszeit Gedanken machten, gleich klar; hatte man noch nicht einmal die Zusagen aus dem Kreis der Konfis, bei der Aufführung mitzuwirken! Ein sogenanntes „Krippenspiel ohne Schauspieler“ schien die Rettung zu sein, denn es passte genau, dass es damit beginnt, dass die Vorbereitung vergessen wurde und nun „spontan“ aus dem Publikum, den Gottesdienstbesuchern, Spielerinnen und Spiel für die unbedingt erforderlichen Rollen von Maria und Josef, der Wirtin, den Hirten und Engeln gesucht werden sollten. Ulrike Boppré schrieb ein wenig Wiesbaden-Bezug in den Text und baute zu den Szenenwechseln die passenden Lieder ein. Erzählerinnen und eine Gruppe von Konfis waren auch bereit; ein „alter Mann“ und „ein paar Kinder“, die am Schluss auch nur zur Krippe kommen, waren sicher kein Problem. So weit alles klar!
Schon bei den Proben zeigte sich auf allen Ebenen das „Spontane“ des Spiels: Mitwirkende kamen wegen anderer Verpflichtungen später, mussten früher gehen, bemerkten, dass Weihnachten mitten im Familienurlaub liegt, ein Engel und eine Erzählerin wurden krank… und ein Freiwilliger für den Josef war erst zur Generalprobe gefunden. (Außerdem zwei Bewerber für den „alten Mann“, dessen Rolle aber bereits besetzt war; sie gesellten sich dann zu den Hirten.) Einen Organisten für diesen Gottesdienst gab es auch nicht, guter Rat war teuer! Doch die moderne Technik hat sogar in der fast 300 Jahre alten Nauroder Kirche ihren Platz, und so konnten die Weihnachtslieder aus dem Internet mithilfe eines Smartphones über die Anlage eingespielt werden! Die Lieder hatten kein Vorspiel, aber dafür gab es einige Sekunden Pause zwischen den Strophen; es war einfach ALLES anders bei diesem Krippenspiel (und die Generalprobe dazu geeignet, dem Pfarrer und den Kirchenvorsteherinnen eine schlaflose Nacht zu bereiten…)!
Der Gottesdienst aber, so bestätigten es die Anwesenden beim Verlassen der Kirche, war rundum gelungen! Die mitwirkenden Konfirmandinnen und Konfirmanden, die Erzählerinnen, alle liefen sie zur Höchstform auf, hatten Spaß am Spiel und Freude an den Reaktionen des Publikums auf die humorvoll aktualisierten Textstellen (es waren ca. 260 Personen da!). Die Technik funktionierte, Alt und Jung, Groß und Klein sangen mit, und die Kleinsten ließen es sich nicht nehmen, am Ende zur Krippe zu kommen. Es fühlte sich plötzlich an wie – Weihnachten.
Dr. Margit Ruffing
Foto: Franziska Quint
